Reportage HLF3: Atemschutz

„Atemschutz“ – bei diesem Wort geht dem eingefleischten Feuerwehrmann das Herz auf, während der Normalbürger wohl eher mit den Achseln zuckt. Atemschutzgeräte ermöglichen den Feuerwehrleuten in toxischen Umgebungen zu arbeiten, z.B. bei Wohnungsbränden. Dieser lebenswichtige Schutz für Feuerwehrleute erfährt mit dem neuem Einsatzfahrzeug einen Paradigmenwechsel bei der Feuerwehr Grafenwörth.

Die Atemschutzausrüstung ist enorm schwer, erfordert eine sichere Hand, braucht eine strenge Tauglichkeitsuntersuchung mit jährlichen Leistungstest und ist einigermaßen wartungsintensiv. Um letzteres etwas komfortabler zu gestalten gibt es in der Marktgemeinde Grafenwörth eine gemeinsame Arbeitsgruppe aller fünf Feuerwehren mit einer Werkstätte und einem gemeinsamen Kompressor in Grafenwörth.

Absolut alles, was die FFG bisher an Ausrüstung für Atemschutzeinsätze besaß, kommt neu. Die neuen Tragegestelle der Fa. Dräger sind einfach einzustellen und besitzen eine ergonomische Beckenplatte, die den Rücken der Feuerwehrleute schont. Außerdem steigen wir vom System „200bar, 2 Stahlflaschen, 4 Liter“ auf das System „300bar, 1 Compositflasche, 6,8 Liter“ um. Kurz gesagt bieten die neuen Flaschen dadurch mehr Luft bei drastisch reduziertem Gewicht.

Auch die zugehörigen Atemschutzmasken sind neu. Diese funktionieren, als Novum in Grafenwörth, mit Überdruck. Über den Luftanschluss wird innerhalb der Maske stetig ein leichter Überdruck aufgebaut. Sollte die Maske nicht 100% dicht sitzen, werden dadurch giftige Stoffe trotzdem draußen gehalten. Außerdem verfügen die Masken über ein integriertes Mikrofon und einen Lautsprecher für unsere Funkgeräte, was eine klare und sichere Kommunikation ermöglicht.

Wieder mit an Bord des neuen HLF3 sind unsere Klassiker: Notsignalgeber mit Totmannschaltung zur Absicherung der Atemschutzträger und eine Menge Trinkwasser in Flaschen. Auch kommt ein neues Hygienekonzept zur Dekontamination der Atemschutzträger mit ins Fahrzeug (siehe auch Bericht des Feuerwehrmedizinischen Dienstes),

Eine große Neuerung im HLF3 stellt der s.g. „Actiontower“ im Mannschaftsraum dar. Wo im alten Fahrzeug ein Sitzplatz war, ist nun ein Gerätegestell, wo die Atemschutzträger alle nötigen Geräte finden, die sie schon während der Fahrt ausrüsten können um schneller einsatzbereit zu sein: Funkgerät, Wärmebildkamera, Akkuleuchten und div. Zubehör. Auch „klafft“ dadurch nun ein Loch zwischen Mannschaftskabine und Fahrerkabine, was den Informationsfluss vom Fahrzeugkommandanten zum Atemschutztrupp erheblich verbessert.

Ebenfalls komplett neu wird ein s.g. „Rauchvorhang“ sein. Dieses Gerät kann man in einen Türstock klemmen, bevor die Tür zum Brandraum geöffnet wird. Der Rauchvorhang hält dann den Rauch im Brandraum, wodurch die Bereiche außen rauchfrei bleiben, z.B. als Fluchtweg in Wohnhausanlagen.

Bedingt durch die Umstellung vom 200bar-System auf ein 300bar-System musste auch der gemeinsame Atemluftkompressor der fünf Gemeindefeuerwehr neu beschafft werden. Da der alte Kompressor ohnehin „fällig“ gewesen ist, herrschte hier rasch Konsens. Von der FFG wird der Kompressor im Moment auf einen Rollwagen aufgebaut, der später mit dem Versorgungsfahrzeug transportiert werden kann. Der neue Kompressor kann sowohl 200bar-Flaschen als auch 300bar-Flaschen füllen, daher mussten die anderen vier Feuerwehren auch nicht sofort beim Umstieg auf das 300bar-System mitziehen.

Bild des Actiontower: Feuerwehr Groß Enzersdorf

Bild des Rauchvorhangs: Ready4Fire